Wie barrierefrei ist Neuss?, habe ich mich gefragt. Wie würde es mir beim Einsteigen in den Bus gehen, wenn ich älter wäre? Wie finde ich das raus? Für solche „Selbstversuche“ gibt es seit kurzem eine technische Hilfe, einen Alterssimulationsanzug. Wissenschaftlich heißt der Anzug: GERontologischer Testanzug, kurz „GERT“.

Dieser 20 Kilo schwere Anzug simuliert die typischen Effekte des Alterns: Versteifte Gelenke, eingeschränkte Beweglichkeit, verengtes Sichtfeld und Schwerhörigkeit. So können sich auch 43-jährige wie ich in eine ältere Person hineinversetzen.

Wie barrierefrei sind die Haltestellen?

Für einen Selbstversuch habe ich mir deshalb für fünf Tage den fast 2000 Euro teuren Simulator GERT ausgeliehen. Ich wollte am eigenen Leib erfahren, welche Herausforderungen der Alltag für ältere und beeinträchtigte Menschen bereithält.

  • Wie schwer ist es, in einen Bus oder eine Straßenbahn einzusteigen?
  • Kann man einen Ticketautomaten noch problemlos bedienen?
  • Komme ich die Treppe am Rathaus hoch und wo gibt es schon Verbesserungen durch Baumaßnahmen zur Barrierefreiheit?

 

Gerade wenn es um Mobilität im Alltag geht, spielt Barrierefreiheit eine zunehmend wichtige Rolle. Dies haben auch unsere letzten Bürgerdialoge gezeigt. Eine häufig gestellte Frage war dort: „Wann werden die Haltestellen endlich so umgebaut, dass man als älterer Mensch gut ein- und aussteigen kann?“ Das zeigt, wie dringend der Nachholbedarf bei diesem Thema ist.

Umso weniger kann ich die ständigen Verzögerungen beim Bau barrierefreier Haltestellen in Neuss verstehen. Insbesondere die CDU bremst im Stadtrat den Umbau von Bushaltestellen, wie etwa in Gnadental an der Kölner Straße oder in Reuschenberg an der Haltestelle „Barriere“ ständig aus. Dass diese Haltestelle nun ausgerechnet „Barriere“ heißt, ist dabei ein besondere Ironie des Lebens.

Die notwendigen Umbaumaßnahmen, die Menschen mit Rollator, aber auch Mütter oder Väter mit einem Kinderwagen das Leben erleichtern würden, werden somit immer weiter hinausgezögert.

Umbaumaßnahmen nicht verzögern

Ich meine: Jeder Politiker, der dafür sorgt, dass sich der Umbau der Haltestellen weiter verzögert, sollte einmal mit diesem mehr als 20 Kilo schweren Simulationsanzug Bus und Bahn fahren. Mit GERT bekommt man ein gutes Gefühl für die besonderen Schwierigkeiten und damit auch ein ganz anderes Verständnis dafür, was es bedeutet, älter bzw. mobil eingeschränkt zu sein.

 

Ich jedenfalls habe gespürt, wie beschwerlich es ist, einen Bus zu benutzen, wenn der Einstieg nicht barrierefrei ist und man nur mit einem großen Schritt einsteigen kann. Ich will mich deshalb noch mehr dafür einsetzen, dass in Neuss für Menschen mit Behinderungen und für Familien und Ältere die baulichen Veränderungen vorangetrieben werden.

 

 

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