„In Neuss eine bezahlbare Wohnung zu finden, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit“, sagte mir neulich ein Bekannter. Stimmt das und lässt sich dieser Mangel konkret belegen?

Fakt ist: Im Jahr 2003 gab es rund 11.250 öffentlich geförderte Wohnungen (Sozialwohnungen) in Neuss. Zehn Jahre später, im Jahr 2013, waren es nur noch 7.850 und die Zahl sinkt bis zum Jahr 2030 auf ca. 4.600 Sozialwohnungen, wenn nicht gegengesteuert wird.

Fast jeder 2. Euro geht für die Wohnung drauf

Im Oktober 2014 legte InWIS GmbH im Auftrag der Stadt Neuss die Studie „Bezahlbarer Wohnraum in Neuss 2030“ vor und kam zu folgenden Aussagen:

  • die Preisdynamik bei Neubaumieten ist in Neuss ähnlich hoch wie in Düsseldorf oder München
  • in Neuss herrscht eine sehr hohe Nachfrage im preisgünstigen Mietsegment, es gibt zu wenige kleine Wohnungen und zu wenige große, günstige Wohnungen
  • die Wohnkostenbelastung im Rhein-Kreis-Neuss befindet sich landesweit in der Spitzengruppe. Bei vielen Neussern geht fast jeder zweite Euro für die Miete drauf
  • mehr als jeder dritte Neusser wohnt in einer zu teuren Wohnung

Laut der letzten Analyse des Wohnungsbedarfes in Neuss vom 07.12.2015 fehlen uns bis 2030 rund 6.750 Wohnungen. Dieser Bedarf ergibt sich zu einem kleineren Teil aus der Zuwanderung (Bedarf 830 Wohnungen), aus dem allgemeinen Bevölkerungszuwachs (1.420 Wohnungen) und weil der Trend zum 1- bis 2-Personen-Haushalt weiter geht. Allein hierdurch ergibt sich ein zusätzlicher Bedarf von rund 4.500 Wohnungen bis 2030.

Was macht die Politik?

In Neuss hat Bürgermeister Reiner Breuer den Kurs seines Amtsvorgängers geändert. Es entstehen deshalb in Neuss wieder mehr neue, öffentlich geförderte Wohnungen. Das Land NRW ist sogar Deutscher Meister im sozialen Wohnungsbau: Fast 40% aller bundesweit neu enstehenden Sozialwohnungen werden in NRW gebaut. Die Spitzensummen von 1,1 Mrd. Euro stellt das Land hierfür zur Verfügung. Der geförderte Wohnungsbau in NRW boomt daher, wie diese Grafik verdeutlicht:

Wohhnung

Auch die Akteure in Neuss hängen sich mächtig ins Zeug; allen voran der Bauverein und die Gemeinnützigen Wohnungs-Genossenschaft (GWG). Ich war bei den Vorständen der GWG, Ulrich Brombach und Stefan Zellnig, zu Besuch, um mich über den Stand der aktuellen Neubauvorhaben der GWG zu informieren. Die GWG ist mit ihren rund 3.400 Wohnungen in Neuss und Kaarst ein wichtiger Wohnungsbau-Partner für die Stadt.

Doch die Genossenschaft bietet nicht nur öffentlich geförderte und preisgedämpfte Wohnungen, sondern baut neuerdings auch Kitas. Darum habe ich mir auch gleich den Baufortschritt in der Kita „Mullewapp“ an der Eichendorffstraße angeschaut. Die viergruppige Kindertagesstätte in der Trägerschaft des Deutschen Roten Kreuzes soll Mitte 2017 in ihre neuen Räumlichkeiten einziehen.

Direkt neben der neuen Kindertagesstätte baut die GWG zurzeit ein Mehrfamilienhaus mit 23 Genossenschaftswohnungen und leistet damit einen weiteren Beitrag für den knappen Wohnungsmarkt in Neuss. Sechs der 23 Wohnungen sind zudem öffentlich gefördert und können deshalb zu einer besonders günstigen Netto-Kaltmiete von 5,75 Euro pro Quadratmeter angeboten werden.

GWG

Als Mitglied des Aufsichtsrates der GWG kenne ich natürlich viele dieser Projekte, trotzdem ist es gut, sich vor Ort mit eigenen Augen einen Eindruck zu verschaffen.

Das Land fördert im großen Umfang die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum.

Ich will mich im Landtag dafür einsetzen, dass dies auch in Zukunft so bleibt.

 

 

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